1. Einleitung

Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall auf Polen der zweite Weltkrieg. Wenige
Wochen vorher, am 20. Juni 1939, entschied Dietrich Bonhoeffer, dass er New York – hierher
war er gereist, um der Musterung und dem damit möglicherweise folgenden Dienst als Soldat
zu entkommen – verlassen und zurück nach Deutschland reisen möchte (vgl. Schlingensiepen
2007, S. 243-248). Einige Jahre später reflektiert Eberhard Bethge über seinen Freund
Bonhoeffer in Bezug auf das Jahr 1939. Er stellt dabei fest, dass sich das theologische Denken
Bonhoeffers zum Zeitpunkt der Rückkehr nach Deutschland grundlegend verändert hatte: Aus
dem Christen sei 1939 ein Zeitgenosse geworden (vgl. Bethge 2995, S. 760).

Aufgrund dieser Zäsur im Bonhoeffers Denken, die sich (auch) in seinen Texten nachzeichnen
lässt, wird seine Anthropologie nachfolgend ausschließlich an Texten, die er nach Juni 1939
geschrieben hat, erarbeitet: Zum einen arbeitete Bonhoeffer ab Herbst 1939 bis zum Tag seiner
Inhaftierung am 5. April 1943 an den Manuskripten seiner unvollständig gebliebenen Ethik.
Zum anderen verfasste er ab April 1943 zahlreiche (theologische) Briefe, die er aus der Haft in
Berlin-Tegel an Familienmitglieder und – für die theologische Arbeit von besonderer
Bedeutung – an seinen Freund und Theologen Eberhard Bethge adressierte. Den letzten uns
bekannten Brief schrieb er am 17. Januar 1945 an seine Eltern Karl und Paula Bonhoeffer.
Wenige Wochen später, am 9. April 1945, wurde er nach einem nächtlichen Scheinprozess im
Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet (vgl. Schlingensiepen 2007, S, 416-421).

 

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Literatur

  • Bethge, Eberhard (2005): Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse. Eine Biografie, 9. Auflage, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.
  • Dietrich Bonhoeffer Werke (DBW). Hrsg. von Eberhard Bethge, Ernst Feil, Christian Gremmels, Wolfgang Huber, Hans Pfeifer, Albrecht Schönherr, Heinz Eduard Tödt, Ilse Tödt. München: Chr. Kaiser.
    ⎯ DBW 6 (1992): Ethik, Hrsg. von Ilse Tödt, Heinz Eduard Tödt, Ernst Feil und Clifford
    Green, München: Chr. Kaiser.
    ⎯ DBW 8 (1998): Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Hrsg.
    von Christian Gremmels, Eberhard Bethge, Renate Bethge in Zusammenarbeit mit Ilse Tödt,
    München: Chr. Kaiser.
    ⎯ DBW 13 (1994): London 1933-1935, Hrsg. von Hand Goedeking, Martin Heimbucher und
    Hans-Walter Schleicher, München: Chr. Kaiser.
    ⎯ DBW 16 (1996): Konspiration und Haft 1940-1945, Hrsg. von Jørgen Glenthøj, Ulrich
    Kabitz, Wolf Krötke, München: Chr. Kaiser.
  • Feil, Ernst (2014): Die Theologie Dietrich Bonhoeffers. Hermeneutik – Christologie – Weltverständnis. Mit einem Geleitwort von Christiane Tietz. Band 45: Studien zur Systematischen Theologie und Ethik, 6. Auflage, Berlin: LIT.
  • Schlingensiepen, Ferdinand (2007): Dietrich Bonhoeffer 1906-1945. Eine Biografie, 4., durchgesehene Auflage, München: Verlag C.H. Beck.
  • Schulte, Tobias (2014): Ohne Gott mit Gott. Glaubenshermeneutik mit Dietrich Bonhoeffer, Regensburg: Friedrich Pustet.