1. Vergleich der Fragestellungen, des methodischen Vorgehens und des Kontextes der Arbeiten

Jörns möchte mit seinem 1979 erschienenen Buch „Nicht leben und nicht sterben können. Suizidgefährdung – Suche nach dem Leben“, das in der zweiten Auflage von 1986 vorliegt, bei der Klärung von Möglichkeiten der Suizidverhütung „mithelfen“ (vgl. Jörns 1986: 11). Er geht davon aus, „daß keine Wissenschaft ein Monopol für die Beschäftigung mit der Suizidalität hat“ (ebd.: 35). Daher hofft er auf die Zusammenarbeit verschiedener Professionen, denn dadurch sei der größte Nutzen für die Abschätzbarkeit, Prävention und Therapie von Suizidalität zu erzielen. Er betont, dass es ihm wichtig ist, die verschiedenen Perspektiven nicht vorschnell zu harmonisieren; jeder soll sich der Möglichkeiten und Grenzen seiner Perspektive bewusst sein (vgl. ebd.: 35). Er bearbeitet das Thema „Suizid“ aus einer biblisch-theologischen Perspektive und nutzt eine dem entsprechende
Anthropologie (vgl. ebd.: 13) als Ausgangs- und Ankerpunk seiner Überlegungen. Seine Annahme, dass jeder einzelne Mensch mit allen anderen Menschen verbunden ist und daher Anteile am Glück und Leiden der anderen Menschen hat, rückt seine gesamte Argumentation in den gesellschaftlichen Kontext. Suizidalität stellt sich für ihn als „soziales Problem“ dar, „und da das Soziale immer einen gesellschaftlichen Rahmen hat,
ist sie auch eine gesellschaftliche Problematik“ (ebd.: 12).

Bonhoeffer stellt fest, dass der „Begriff des Natürlichen völlig aus dem evangelischen Denken“ (Bonhoeffer 2016: 163) ausgeschieden ist. Daraus resultiere zum einen, dass die evangelische Kirche keine wegweisenden Antworten mehr auf die Fragen des „natürlichen Lebens“ (ebd.: 163) liefern könne, wodurch antwortsuchende Personen in der Orientierungslosigkeit zurückgelassen würden. Zum anderen könne die Verkündigung der
göttlichen Gnade unter diesen Bedingungen ausschließlich statisch erfolgen (vgl. ebd.: 163f.). Das Ziel seines Manuskriptes „Das natürliche Leben“ ist die Wiederaufnahme des Begriffs des Natürlichen im evangelischen Denken. Die Bearbeitung des Themas „Selbstmord und Selbsttötung“ ist in diesen Kontext eingebunden und nicht das grundständige Thema dieses Manuskripts. Vielmehr soll anhand dieses Themas beispielhaft deutlich gemacht werden, wie eine Argumentation verläuft, wenn der Begriff des Natürlichen als Teil der evangelischen Ethik begriffen wird.

 

Zum Volltext

 

Hat dir der Text gefallen?

geht bessergute Arbeit (+2 rating, 2 votes)
Loading...

 

Literatur*

  • Bonhoeffer, Dietrich (2016): Ethik, 5., durchgesehene Taschenbuchausgabe, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.
  • Elberfelder Studienbibel. Mit Sprachschlüssel und Handkonkordanz (2015). Unter Mitarbeit von Herbert Klement, Frank Albrecht, Manfred Schäller und Hans-Jochen Böcker. Textstand Nr. 28, 5. Auflage, 9. Gesamtauflage, Witten/Dillenburg: SCM R. Brockhaus; Christliche Verlagsgesellschaft.
  • Jörns, Klaus-Peter (1986): Nicht leben und nicht sterben können. Suizidgefährdung – Suche nach dem Leben, 2. Auflage, Wien/Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht

 

 

*enthält Affiliate Links